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Ein Tag im Bienenland bei Johann van den Bongard
Am 09. Mai 2004 fand auf dem "Bienenland" bei Johann van den Bongard in Willich-Anrath ein Seminar zum Thema "Königinnenvermehrung" statt. In diesem Satz stecken schon mehrere Begriffe, die ich gerne erläutern möchte.
Anrath
Anrath ist ein Ortsteil von Willich und liegt zwischen Krefeld und Mönchengladbach. Mit dem Zug sehr einfach über Duisburg zu erreichen und mit dem Auto ebenso über diverse Autobahnen.
Bienenland
Johann hat seiner Firma den schönen Namen "Bienenland" gegeben. Das in 1998 von Johnann selbst entworfene Gebäude ist absolut sehenswert. Es ist eine Integration aus Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude. Das Wirtschaftgebäude ist eine Hallenkonstruktion mit zahlreichen Räumen, in denen parallel gearbeitet werden kann. Es gibt einen Bereich für die Honigverarbeitung (zwei 80 Waben Radialschleudern), einen für die Metherstellung (1000 und 2000 Literfässer aus Edelstahl), einen für die Wachskerzenherstellung, usw.). Erwähnt werden muss auch der 1a ausgestattete Verkaufsraum, durch den man das Haus betritt und ein eigener Seminarraum, in dem die Schulungen stattfinden. Es werden regelmäßig und auf Anfragen für Gruppen Betriebsführungen angeboten. Johann beschäftigt in seinem Betrieb 4 Angestellte. Vom deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund hat Johann im Jahr 2001 eine Prämierung für den besten Imkereibetrieb bekommen. Diese Auszeichnung ist seit 10 Jahren wieder zum ersten Mal vergeben worden. Zum Bienenland gehört auch das 5000 qm große Grundstück in einer wunderschönen Lage mitten in Feldern und angrenzendem Wald. Man kann nur jedem Berufsimker empfehlen, sich diesen Betrieb einmal anzusehen und sich dort Anregungen zu holen.
Johann van den Bongard
Das Erfolgsgeheimnis liegt nicht in allein in der Infrastruktur des Betriebes, sondern in der hochintelligenten und bienenfleißigen Person des Imkermeisters Johann van den Bongard. Wo andere Imker voll und ganz mit der Bewirtschaftung der Bienenvölker beschäftigt sind, nimmt sich Johann noch die Zeit für die professionelle Vermehrung und Verkauf von Königinnen, die Metherstellung, die Herstellung von Wachskerzen und die Durchführung von Seminaren. Johann vermehrt Linien eines bekannten niedersächsischen Buckfastzüchters. Es handelt sich dabei um ein hervorragendes Buckfastmaterial, an das sonst nur sehr schwer heranzukommen ist. Von Johann kann man das ganze Spektrum an Zuchtmaterial beziehen, Anfangen von Larven, unbegatteten, standbegatteten, belegstellenbegatteten Königinnen, Ablegern und Kunstschwärmen. Johann vertreibt auch Beutenmaterial, Zubehör und Bienenfutter in kleinen und großen Mengen und den selbst hergestellten vorzüglichen Met.
Seminar zur Königinnenvermehrung
Wir waren 17 Seminarteilnehmen, davon drei vom LNB weit angereiste. Das Seminar fand in Johanns für diese Zwecke eingerichteten Seminarraum statt. Jeder Teilnehmer bekam ausführliche schriftliche Unterlagen zum Nachlesen des Seminarinhaltes. Johann versteht es meisterlich, den Stoff theoretisch und praktisch anschaulich zu vermitteln. Es ging nicht nur um Tipps und Tricks, sondern auch um die Vermittlung von Hintergrundwissen und praktischen Übungen.
Der Seminarinhalt kann an dieser Stelle nur in groben Zügen beschrieben werden. Der Prozess der Vermehrung wird in drei Stadien untergliedert: 1. Start, 2. Weiterpflege bis zur Verdeckelung, 3. Entwicklung bis zum Schlupf.
Start(er)
Zum Starten wurden drei Methoden vorgestellt: a) Anbrüter (unentbehrlich wenn Larven über größere Entfernungen transportiert werden sollen), b) Starter in Honigraumzargen, c) zweite Brutraumzwarge über Absperrgitter (Bruder-Adam-Verfahren, wetterunabhängig und besonders für größere Serien geeignet).
Weiterpflege bis zur Verdeckelung
Geschieht im Honigraum zwischen zwei offenen Brutwaben, die in den Honigraum gehängt werden, um Pflegebienen anzulocken. Eine interessante Alternative dazu ist die von Johann erfundene Box, in der die Zellen im Brutraum eines weiselrichtigen Volkes bis zum Schlupf verbleiben können.
Entwicklung nach der Verdeckelung bis zum Schlupf
Hierfür brauchen die Zellen die richtige Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Dies kann im Honigraum zwischen den Brutwaben geschehen, im Brutschrank oder in der von Johann erfundenen Box im weiselrichtigen Volk.
Schlupf
Um erstklassige Königinnen zu bekommen, sollten die Zellen vor dem Schlupf in die Begattungskästen (am besten Miniplus) verschult werden. Wie schon Bruder Adam sagte, sollen die Königinnen im Paradies schlüpfen.
Fazit
Obwohl ich schon seit mehreren Jahren für meinen eigenen Bedarf Königinnen vermehre, mich mit der einschlägige Literatur beschäftigt und an einem Institut einen Vermehrungslehrgang absolviert habe, kann ich mit ruhigem Gewissen sagen, dass sich die für mich weite Anreise gelohnt hat. Das Seminar kann ich jedem interessierten Imker nur empfehlen!
Johann veranstaltet auch Seminare zur Betriebsweise mit der Dadantbeute.
Nicht unerwähnt bleiben darf die fürstliche Bewirtung (Getränke, Mittagessen, Kaffee und Kuchen).
Lehrte, 16.05.2004
Ulli Lehmann
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